1. Minensuchgeschwader 1992-2005



Das 1. Minensuchgeschwader existierte von 1956 bis 2005 und war Bestandteil der Minenstreitkräfte der Bundesmarine.


Das erste Minensuchgeschwader wurde – zunächst unter dem Namen „1. schnelles Minensuchgeschwader“ – am 5. Juni 1956 in Bremerhaven durch Admiral Wolfgang Wegener in Dienst gestellt. Grundstock des Geschwaders, welches die Grundlage der neuen Minenstreitkräfte der Bundesmarine bildete, waren die vier Boote Orion, Rigel, Merkur und Sirius. Nachdem das Geschwader bereits am nächsten Tag nach Wilhelmshaven verlegt wurde, vergrößerte sich der Bootsbestand um weitere vier Boote, bevor es Ende Juli 1956 mit weiteren vier Booten vorerst komplettiert wurde. Alle zwölf Boote waren ehemalige R-Boote der Kriegsmarine, die zuvor unter britischer Aufsicht im Rahmen der DMRL (Deutsche Minenräumdienstleitung) eingesetzt worden waren und später den USA unterstanden.
Im Dezember 1956 kam es zu einer weiteren Verlegung des Geschwaders nach Flensburg, wo nun für rund 32 Jahre sein Heimathafen sein sollte. Nachdem am 21. Januar 1957 der Versorger Oste hinzu stieß, konnte das Geschwader voll einsatzfähig der NATO unterstellt und im Juni desselben Jahres der NATO einsatzmäßig assigniert werden.


In den ersten Jahren waren die Boote vorwiegend in der Nord- und Ostsee eingesetzt. Dabei kam es schon früh zu Begegnungen mit Einheiten des Warschauer Paktes. Erst nach der Öffnung des Eisernen Vorhanges wurde eine Zusammenarbeit mit den Ländern des Bündnisses möglich, was in zahlreichen Manövern in den 1990er Jahren auch verwirklicht wurde, so etwa in dem seit 1993 in regelmäßigem Turnus stattfindenden Open Spirit. Mit der Außerdienststellung von fünf alten Booten begann im Februar 1959 der erste Generationswechsel innerhalb des Geschwaders. Von November 1960 bis Oktober 1963 wurde das es durch Austausch der alten R-Boote zugunsten der neuen Schnellen Minensuchboote (SM-Boote: Schütze-Klasse, Typ 340/341) modernisiert; dabei wurden zum Großteil die Namen der Vorgängerboote übernommen. Der am 11. Mai 1963 in Dienst gestellte Tender Saar löste den Versorger Oste ab. Darüber hinaus wurden in den Jahren 1970 und 1972 mit den Minentransportern Sachsenwald und Steigerwald zwei weitere Schiffe eingegliedert. Die neuen MS-Boote, mit einem Baupreis von jeweils 7,3 Millionen DM eher „günstige“ Boote, bereiteten jedoch durchaus Probleme: aufgrund der Verwendung von schlechtem Baumaterial bei der Herstellung der Querschotten mussten aufwendige Nachbesserungen durchgeführt werden. Außerdem traten immer wieder Fäulniserscheinungen auf.
Mit der Außerdienstellung des SM-Bootes Rigel im Jahre 1990 wurde der zweite Generationswechsel eingeleitet. Bis zum Jahresende folgten vier weitere Boote, und 1991 wurde auch der Minentransporter Sachsenwald außer Dienst gestellt. Im November 1993 erfolgte die Außerdienststellung der Steigerwald. Mit dem Umzug des Geschwaders am 7. September 1992 nach Olpenitz, dem zukünftigen Typstützpunkt, begann auch die Indienststellung der Boote der Frankenthal-Klasse (Klasse 332). (Die Steigerwald verblieb noch bis zu ihrer Außerdienststellung im Stützpunkt Flensburg.) Diese Klasse stellte eine richtungsweisende Erneuerung des vorhandenen Bootsbestandes dar. Dies gilt insbesondere für den Einsatz der verwendeten Baumaterialien, denn erstmals in der Geschichte des Geschwaders kam hier ein amagnetischer Schiffbaustahl zum Einsatz. Neuer Tender des Geschwaders war fortan die Werra.
Im Oktober 1999 wurden die einzelnen Geschwader der Minensuchflotille neu gegliedert. Von den ursprünglich zwölf Booten der Klasse 332 waren fortan nur noch neun dem Geschwader unterstellt; die drei anderen Boote wurden dem 3. Minensuchgeschwader zugewiesen.


Das Geschwader wurde am 21. Dezember 2005 – fünf Monate vor seinem fünfzigjährigen Bestehen – durch seinen Geschwaderkommandeur Fregattenkapitän Volker Richter in Olpenitz aus organisatorischen Gründen aufgelöst. Die verbleibenden Boote – die Minenjagdboote Weiden und Frankenthal wurden an die Vereinigten Arabische Emirate verkauft – wurden dem 3. und 5. Minensuchgeschwader unterstellt und im Frühjahr 2006 nach Kiel verlegt. Der Marinestützpunkt Olpenitz wurde mit Abzug der Boote im Februar 2006 geschlossen.


Kommandeure des 1. Minensuchgeschwaders

KKpt Adolf Graef 01.06.1956 – 15.02.1958
KKpt Ulrich Albrecht 16.02.1958 – 29.08.1958
KKpt Oswald Duch 30.08.1958 – 31.10.1958
KKpt Walter Klemm 01.11.1958 – 31.10.1960
FKpt Ernst-August Gerke 01.03.1960 – 15.02.1962
FKpt Franz Kleemann 16.02.1962 – 31.03.1963
FKpt Horst Mertineit 01.04.1963 – 31.03.1965
FKpt Hans-Helmut Anschütz 01.04.1965 – 31.07.1967
FKpt Leo Slezak († März 1970) 01.08.1967 – März 1970
FKpt Gernot Dietze 01.06.1970 – 31.03.1973
FKpt Joachim Petersen 01.04.1973 – 30.06.1975
FKpt Rainer Christmann 01.07.1975 – 31.09.1978
FKpt Jan-Eike Wolff 01.10.1978 – 30.09.1982
FKpt Harald Dräger 01.10.1982 – 25.09.1986
FKpt Detlef Hoepner 26.09.1986 – 26.09.1988
FKpt Klaus-Peter Hirtz 27.09.1988 – 30.09.1991
FKpt Wolf Christian Bäßler 01.10.1991 – 26.09.1994
FKpt Jörg Ringe 27.09.1994 – 30.09.1996
FKpt Jürgen Giese 01.10.1996 – 30.09.1998
FKpt Thomas Jugel 01.10.1998 – 29.03.2000
FKpt Michael Mann 30.03.2000 – 18.02.2003
FKpt Gerald Koch 19.02.2003 – 21.12.2004
FKpt Volker Richter 22.12.2004 – 21.12.2005

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